Ball im Savoy“ gestern Abend im Staatstheater Darmstadt

(Notizen, die ich vor Ort machte. Fotos der Vorstellung der FB-Seite des Staatstheaters entnommen)

Feuerwerk für die Sinne, ein Gourmet-Souper für die Augen

Ein Verwicklung- und Verwechslungsspiel inmitten prachtvoller Kulissen, in glamourösen Kostümen, von großartigen Stimmen vorgetragen, mit Ironie, Augenzwinkern, Verspieltheit inszeniert; voller mitreißender Tanzeinlagen, witziger und aberwitziger Dia- und Monologe,

Kitsch as Kitsch can als Ouverture:
Regenbogenfarbig glitzernde Lametta, blaue Wellen mit einer daruf schaukelnden Gondel, überm Liebespaar springende Delphinen.

Ein Liebespaar kommt, einander ewige Liebe schwörend, von der Hochzeitsreise zurück und berichtet, wo und wie sie einander überall heiß und innig geliebt haben

Es folgt Walzer mit viel Gesäusele mitten im Wohnzimmer

Szenenwechsel: Bunte Badenixen singen Pikantes aus dem Bodouir und der Badewanne

Dann inszeniert Mustafa Bey mit schillernder Damenbegleitung
Farb,- Klang- und Formenexplosion am Bosporus

Die unter viel Tohuwabohu und Gesteppe frischgelandete, ledergewandte fesche Pilotin Daisy (sprichwörtlich „as fresh as a daisy“) aus Amerika verrät ihrer Cousine, sie sei Jose Pasodoble, der ultimative Modekomponist

Szene im Herrenzimmer: Rauchend und Zeitung lesend, aber einer „steht am Abgrund zur Hölle“

Eine Baron von Münchhausen- Geschichte wird zur Rettung gesponnen
Ausgerechnet Jose Pasodoble soll das Alibi für ein Stelldichein im Savoy hergeben…Ob es gut ginge?…

„Hmmmm“, – denkt die frischgebackene Ehefrau….
„Was freches, aufreizendes und ein wenig verschleierndes“ für die Frischvermählte muss dringend her…Sie will jetzt nämlich auch ein kleines, feines Spielchen spielen…

Ball im Savoy – Glitzer und Black tie, Champagner und große Erwartungen.

Die reifere Tangolita in Schwarz und Gold, für die zu guter oder unguter Letzt es nur einen Cheque anstelle der großen Liebe gab. Sie will aber anstelle vom Cheque eine „Reunion especial“…

Der Ehemann flirtet mit seiner verkleideten Ehefrau wie in der„Figaros Hochzeit“ und verguckt sich in sie, umgeben von den wogenden, flatternden, schlängelnden, schlingenden „Däumelinchen“, die pinken Blumenkelchen entschlüpfen

Eine Art Stadt der Sonne mit dem Corps de Ballett in den inkaartig anmutenden Kostümen, natürlich auch stilgerecht in Schwarz-Gold.

Tangolita erweckt im frischvermählten Marquis die alte Leidenschaft – ab ins Separee nr. 8

Nebenbei „quartiert“ sich seine Ehefrau,
die einen auf verruchte, übersexualisierte Russin (kein Klischee wird ausgelassen) macht, mit einem Verehrer „ein“.

Die Identität von Jose Pasodoble wird entlarvt: Er ist eine hübsche, temperamentvolle und freche „sie“

Ein türkisch-amerikanisches Happy End für Daisy und Mustafa: zwei Vulkane brechen in einer Explosion aus

Großes Finale: Die betrogene Ehefrau verkündet ihre Revanche: Hat sie im Separee nur soupiert oder gab es da „erotische Zuckungen der Beine“, um Mustafa Beys Ausdruck zu verwenden?…

Oh, Überraschung, der Rechtsanwaltsvertreter ist wohl der Scheidungsgrund

Dank seiner Indiskretion entpuppt sich die große Sensation dann aber paradoxerweise doch als Schwindel

Und die beiden Liebenden finden, der drohenden Blitzscheidung von der Schippe gesprungen, wieder zueinander. Sie dürfen sogar mit einer Gondel Richtung großes Eheglück fahren